Moment mal!

Wir hoffen, Ihr seid neugierig auf unsere Beiträge in unserem Blog „Moment mal?“. Es gibt interessante Details, die Lust auf unsere Rundgänge machen sollen; Themen, die in (noch) keinen unserer Rundgänge passen; Artikel über die Lieblingsthemen unserer Rundgangsleiter/innen und vieles mehr.

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War Heinsius von Mayenburg der Erfinder der Zahnpasta in Tuben?

09. April 2021 von Peter Weidenhagen

Während meiner Führungen „Durch die Parks der Loschwitzer Elbschlösser“ kommen auf dem Eckberg oft Fragen wie diese: „Hier wohnte doch der Erfinder der Zahnpastatube?“. Eine Legende, die sich hartnäckig hält, entgegne ich dann. Sie geht nach wie vor durch die Presse und auch im aktuellen „Dresden Magazin 2021“ der Dresden Marketing Gesellschaft (DMG) wird in der Rubrik „Dresdens Zauber in Zahlen“ gar erwähnt, dass „1907 in Dresden die Zahnpasta von dem deutschen Apotheker Ottomar von Mayenburg erfunden wurde“. Vor Ort können können wir dann mit gut recherchierten Fakten Klarheit schaffen. Die Gäste reagieren erstaunt und sind dankbar dafür, wie wir Dresdner Geschichte in Geschichten präsentieren. Im blog.zahnputzladen.de/erfinder-der-tubenzahnpasta habe ich eine zum Thema überzeugende Darstellung gefunden.

„Oft wird der Dresdner Apotheker Ottomar Heinsius von Mayenburg (1865 – 1932), Besitzer der “Löwen-Apotheke” an der Ecke Altmarkt/Wilsdruffer Straße als Erfinder der Tubenzahnpasta genannt. Er produzierte ab 1907 die in wiederverschließbare Metalltuben abgefüllte Zahncreme Chlorodont. Zunächst stellte er die aus Bimssteinpulver, Calciumcarbonat, Kaliumchlorat, Minze, Seife und Glycerin bestehende Zahncreme in zwei Nebenräumen der Apotheke, dem “Laboratorium Leo” her. Bereits zehn Jahre später wurden die Leo-Werke in der Dresdner Neustadt errichtet. Durch geschicktes Marketing und dem in Zeitungen, an Litfaßsäulen und auf Reklameschildern zu lesenden Spruch “Du sollst zum Zähneputzen nur Chlorodont benutzen” entwickelten sich die Leo-Werke recht schnell zum damals größten europäischen Zahncremehersteller mit 1.000 Beschäftigten und 27 Niederlassungen in Deutschland, Europa und Übersee. Täglich wurden bis zu 150.000 Tuben der Marke Chlorodont produziert. Der Markenname leitet sich aus den griechischen Wörtern “chloros” (hellgrün) und “odon” (Zahn) ab.

Zahnarzt Sheffield war schneller

Dennoch gebührt der Ruhm, die erste Zahnpasta in Tuben hergestellt zu haben, einem anderen. Denn bereits 1879 hatte der in Amerika lebende Zahnarzt Washington Wentworth Sheffield (1827 – 1897) die Idee von einer Zahncreme in Tuben. Wobei er die Idee eigentlich von seinem Sohn Lucius hatte. Denn dieser beobachtete während eines Studienaufenthalts in Paris Kunstmaler und sah dabei die von den Malern verwendeten Farbtuben. Diese Tube hatte 1841 der amerikanische Maler John Goffe Rand, der sich beim Malen stets über eingetrocknete Farbe geärgert hatte, erfunden und zum Patent angemeldet. Es war eine Zinntube mit Schraubdeckel. “So eine Tube müsste doch auch für die hygienische Aufbewahrung von Zahnpasta geeignet sein” dachte Lucius und berichtete darüber seinem Vater.  Ab 1881 wurde diese Idee unter dem Markennamen “Dr. Sheffield’s Crème Angelique Dentifrice” Wirklichkeit und auf den Markt gebracht. Damit war Dr. Sheffield’s Zahnpasta die weltweit erste Zahncreme in Tuben. Allerdings kaufte die Sheffield Dentifrice Co. ihre Quetschtuben zunächst bei externen Herstellern ein. Erst 1892 brachte man die erste Zahnpastatube aus eigener Herstellung auf den Markt und machte so die Zahnpastatube einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Auch der Wiener Carl Sarg entdeckte frühzeitig den Nutzen der Tube

In Europa hatte bereits 1887, also zwanzig Jahre vor von Mayenburg der Wiener Chemie-Unternehmer Carl Sarg (1832 – 1895) Zahnpasta in Tuben abgefüllt. Hierfür stellte er mit Hilfe von Glycerin und reinigenden Substanzen eine Paste her und füllte diese unter dem Namen “Kalodont” in Tuben aus Zinn. Mittlerweile ist das Zinn der Tube durch Kunststoff ersetzt. Doch das damals erfundene Prinzip der Zahnpasta-Aufbewahrung hat sich bis heute bewährt.“


Wer hat´s erfunden?

31. März 2021 von Rainer Nitzsche & Wolfgang Krusch

Ende 2016 ging eine Schlagzeile um die Welt: „William Salice – „Vater“ der Überraschungseier – im Alter von 82 Jahren gestorben“. Diese Meldung stimmt nur zum Teil. 1972 brachte die Firma Ferrero, bei der Salice seit 1960 tätig war, erstmals ihre Überraschungseier auf den Markt. Doch die Idee war nicht neu. Zu Ostern waren gefüllte Schokoladen-Eier in Italien bereits vorher weit verbreitet. Das Produkt wurde lediglich standardisiert, um es ganzjährig auf den Markt bringen zu können, seit 1974 auch in Deutschland.

Doch in Deutschland gab es ein ähnliches Produkt viel früher – aus Niedersedlitz, damals noch ein Dresdner Vorort. Der Niedersedlitzer Richard Otto Munkwitz hatte bereits 1907/08 gemeinsam mit dem Dresdener Kaufmann Friedrich Theodor Pester in der Bismarckstraße die Zuckerwarenfabrik Munkwitz & Pester gegründet. Produziert wurden verschiedene Süßwaren. Seit Mitte der 1910er Jahre hieß die Firma nach einem Wechsel des Geschäftspartners Munkwitz & Müller. Zur Steigerung des Absatzes ihrer Zuckerwaren gründeten Richard Munkwitz und Ferdinand Carl Müller Ende der 1920er Jahre die MuM-Automaten GmbH. Einer der Automaten – in Gestalt eines Storches – gab längliche Blechdosen mit einem Bild vom Storch mit Säugling sowie Kindersprüchen heraus. Ein anderer Automat hatte die Gestalt einer Henne. Nach dem Einwurf von zehn Pfennigen und dem Dreh an einer Kurbel gackerte die Henne und warf ein mit bunten Bildchen oder Sprüchen versehenes Blechei aus. In diesem waren die Süßigkeiten „versteckt“. Diese bunt bemalten Eier sind heute – ähnlich wie die in den Überraschungseiern enthaltenen Figuren – begehrte Sammelobjekte und können als Vorläufer der Kinder-Überraschungseier von Ferrero gelten. Den Originalschauplatz besichtigen und weitere Geschichte(n) erfahren kann man gern bei unseren Führungen durch Niedersedlitz.